Manchmal muss man zurück zu den Wurzeln gehen, um zu verstehen, woher etwas kommt. Mit dem Dragon Quest I & II HD-2D Remake nimmt uns Square Enix mit auf eine Zeitreise zu den Anfängen des JRPG-Genres – allerdings ohne die technischen Einschränkungen von 1986. Stattdessen erstrahlen die beiden Urgesteine in einem wunderschönen HD-2D-Look, der Nostalgie und moderne Technik perfekt vereint. Doch können die spielerischen Grundlagen nach fast 40 Jahren immer noch überzeugen? Ich habe mich durch beide Titel gekämpft, um herauszufinden, ob sich die Reise nach Alefgard auch heute noch lohnt.
HD-2D: Wenn Pixel auf 3D-Magie treffen
Die HD-2D-Grafik ist ein echter Hingucker und verleiht den Klassikern neues Leben
Wer bereits Octopath Traveler oder Live A Live gespielt hat, weiß, was ihn hier erwartet: Der von Square Enix perfektionierte HD-2D-Stil kombiniert charmante Pixelsprites mit modernen 3D-Umgebungen und dynamischen Lichteffekten. Das Ergebnis ist schlichtweg bezaubernd. Die Dörfer und Städte wirken durch die Tiefeneffekte und Beleuchtung lebendig, während die Monster ihre pixelige Niedlichkeit behalten haben.
Besonders beeindruckend sind die Zaubereffekte in den Kämpfen. Wenn ein Blizzaga-Zauber die Gegner mit kristallinen Eissplittern eindeckt oder ein Feuerball über das Schlachtfeld fegt, ist das nicht nur nostalgisch, sondern auch visuell beeindruckend. Die Entwickler haben hier genau den richtigen Mittelweg zwischen Retro-Charme und moderner Präsentation gefunden.
Die Zaubereffekte in den Kämpfen sind ein echter Augenschmaus
Auch der Soundtrack wurde komplett überarbeitet und klingt nun orchestraler und voller. Die ikonischen Melodien von Koichi Sugiyama sind geblieben, wurden aber mit modernen Arrangements aufgewertet. Hinzu kommt eine vollständige englische und japanische Sprachausgabe, die den Charakteren mehr Persönlichkeit verleiht – auch wenn nicht jeder Dialog vertont wurde.
Spielmechaniken: Zwischen Tradition und Moderne
Wer die Originale kennt, wird sich sofort heimisch fühlen – allerdings mit zahlreichen Verbesserungen, die das Spielerlebnis deutlich angenehmer gestalten. Die rundenbasierten Kämpfe bleiben im Kern unverändert, wurden aber um einige Quality-of-Life-Features erweitert.
Das klassische Kampfsystem wurde um moderne Funktionen erweitert
Zu den wichtigsten Neuerungen gehören:
- Auto-Save nach jedem Kampf, das frustrierende Rückschläge verhindert
- Einstellbare Kampfgeschwindigkeit, die das Grinding deutlich angenehmer macht
- Optionale Kampfautomatik mit verschiedenen taktischen Einstellungen
- Drei Schwierigkeitsgrade, darunter der „Dracky Quest“-Modus für Einsteiger
- Questmarker und Zielhilfen, die das Verirren in der Spielwelt verhindern
- Ein erweitertes Inventarsystem mit mehr Platz für Gegenstände
Besonders hervorzuheben ist das neue Sigil-System, das in beiden Spielen zum Einsatz kommt. Diese magischen Siegel verleihen passive Boni im Kampf – etwa erhöhten Schaden für bestimmte Zauber oder zusätzliche Effekte bei niedrigen Lebenspunkten. Das fügt den ansonsten recht simplen Kämpfen eine willkommene taktische Komponente hinzu.
Die Sigillen fügen dem Kampfsystem eine neue taktische Ebene hinzu
Auch die Mini-Medaillen, die in späteren Dragon-Quest-Spielen zum Standard wurden, haben ihren Weg in die Remakes gefunden. Sie sind überall in der Spielwelt versteckt und können gegen mächtige Ausrüstungsgegenstände eingetauscht werden – ein weiterer Anreiz, jeden Winkel der Welt zu erkunden.
Dragon Quest I: Der einsame Held
Als einsamer Held erkundet ihr in Dragon Quest I das Königreich Alefgard
Dragon Quest I ist und bleibt ein Produkt seiner Zeit – ein simples, aber charmantes Abenteuer, in dem ein einzelner Held auszieht, um eine Prinzessin zu retten und den bösen Dragonlord zu besiegen. Die Geschichte ist geradlinig und ohne große Wendungen, aber genau das macht ihren Charme aus. Es ist die Essenz eines klassischen Heldenabenteuers, reduziert auf seine Grundelemente.
Als Solo-Abenteuer bietet Dragon Quest I eine einzigartige Herausforderung. Ohne Gruppenmitglieder müsst ihr jede Entscheidung sorgfältig abwägen – heilen oder angreifen? Einen starken Zauber wirken oder Magiepunkte sparen? Diese Einschränkung macht das Spiel trotz seiner Einfachheit überraschend taktisch.
Die ikonischen blauen Schleime dürfen natürlich nicht fehlen
Mit etwa 10-15 Stunden Spielzeit ist der erste Teil relativ kurz, wurde aber durch neue Inhalte etwas erweitert. Diese fügen sich nahtlos in die bestehende Geschichte ein und schaffen interessante Verbindungen zum zweiten Teil. Besonders die erweiterte Rolle der Schöpfergöttin Rubiss gibt der Geschichte mehr Tiefe.
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Dragon Quest II: Mehr Helden, mehr Abenteuer
In Dragon Quest II zieht ihr mit einer vierköpfigen Truppe in den Kampf
Dragon Quest II ist in jeder Hinsicht der ambitioniertere Teil des Pakets. Die Geschichte spielt 100 Jahre nach dem ersten Teil und folgt den Nachkommen des ursprünglichen Helden. Als der böse Zauberer Hargon das Land bedroht, müssen sich vier Cousins zusammenschließen, um die Welt zu retten.
Der größte Unterschied zum Vorgänger: Ihr steuert nicht mehr einen einsamen Helden, sondern eine vierköpfige Gruppe mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Der Prinz von Midenhall ist ein reiner Nahkämpfer, während die Prinzessin von Moonbrooke auf Magie spezialisiert ist. Die Geschwister aus Cannock – darunter die im Remake neu hinzugefügte Prinzessin – sind vielseitige Allrounder.
Mit vier Charakteren bieten die Kämpfe deutlich mehr taktische Möglichkeiten
Diese Gruppendynamik macht die Kämpfe deutlich vielseitiger. Ihr könnt Rollen verteilen, Synergien nutzen und komplexere Strategien entwickeln. Die Charaktere haben zudem eigene Persönlichkeiten, die in Dialogen zum Vorschein kommen – besonders die Geschwisterrivalität zwischen den Cannock-Geschwistern sorgt für unterhaltsame Momente.
Mit etwa 25-30 Stunden Spielzeit ist Dragon Quest II deutlich umfangreicher als sein Vorgänger. Die Spielwelt wurde erheblich erweitert, unter anderem durch eine komplett neue Unterwasserwelt mit eigenen Dungeons, Städten und Quests. Hinzu kommt ein umfangreiches Post-Game mit zusätzlichen Herausforderungen und Belohnungen.
Die neue Unterwasserwelt bietet frische Abenteuer und Geheimnisse
Ein weiteres Highlight sind die „Erinnerungen der Welt“ – versteckte Fragmente, die ihr sammeln und zur Archivarin im Feenpalast bringen könnt. Diese erzählen zusätzliche Geschichten über die Welt und ihre Bewohner und schaffen eine tiefere Verbindung zwischen den beiden Spielen.
Schwierigkeitsgrad: Zwischen Nostalgie und Zugänglichkeit
Drei Schwierigkeitsgrade sorgen für ein angenehmes Spielerlebnis
Die Dragon-Quest-Reihe ist für ihren knackigen Schwierigkeitsgrad bekannt, und auch die Remakes machen da keine Ausnahme. Allerdings bieten sie drei verschiedene Schwierigkeitsstufen, die das Spielerlebnis an eure Vorlieben anpassen:
Schwierigkeitsgrade
- Dracky Quest (leicht): Perfekt für Einsteiger oder Story-Genießer. Bietet optionale Unbesiegbarkeit.
- Dragon Quest (normal): Die klassische Erfahrung mit ausgewogener Herausforderung.
- Draconian Quest (schwer): Für Veteranen und Herausforderungssuchende. Erfordert präzise Strategie.
Besonders angenehm: Ihr könnt den Schwierigkeitsgrad jederzeit ändern, ohne Fortschritt zu verlieren. So könnt ihr bei besonders harten Bossen kurzzeitig erleichtern oder die Herausforderung erhöhen, wenn euch langweilig wird.
Trotz dieser Anpassungen bleibt ein gewisses Grinding unvermeidbar – besonders in Dragon Quest I. Die zufälligen Kämpfe können manchmal frustrierend sein, wenn ihr mehrfach hintereinander auf starke Gegnergruppen trefft. Dank Auto-Save und schnellerer Kampfgeschwindigkeit ist das aber deutlich weniger ärgerlich als in den Originalen.
Die Bosskämpfe können auch auf normalem Schwierigkeitsgrad ordentlich fordern
Für wen lohnt sich das Remake?
Nach meinen ausgiebigen Spielsessions kann ich das Dragon Quest I & II HD-2D Remake verschiedenen Spielertypen empfehlen – allerdings mit einigen Einschränkungen.
Perfekt für:
- Nostalgiker, die die Originale kennen und in neuem Glanz erleben möchten
- JRPG-Fans, die die historischen Wurzeln des Genres erkunden wollen
- Spieler, die nach dem Dragon Quest III HD-2D Remake die komplette Trilogie erleben möchten
- Einsteiger, die dank der Komfortfunktionen einen sanften Einstieg ins Genre suchen
Weniger geeignet für:
- Spieler, die komplexe Geschichten und tiefgründige Charakterentwicklung erwarten
- Action-RPG-Fans, denen rundenbasierte Kämpfe zu langsam sind
- Wer keine Geduld für gelegentliches Grinding mitbringt
- Spieler, die nach den neuesten grafischen Höchstleistungen suchen
Besonders interessant ist das Paket für alle, die nach Dragon Quest III HD-2D Remake die komplette Erdrick-Trilogie erleben möchten – wenn auch in umgekehrter chronologischer Reihenfolge. Die drei Spiele ergänzen sich hervorragend und erzählen zusammen eine epische Geschichte über mehrere Generationen von Helden.
Mit Dragon Quest I, II und III ist die komplette Erdrick-Trilogie nun im HD-2D-Look verfügbar
Wertung und Fazit
Dragon Quest I & II HD-2D Remake ist eine liebevolle Neuinterpretation zweier Meilensteine der Spielegeschichte. Square Enix hat es geschafft, den Charme der Originale zu bewahren und gleichzeitig moderne Komfortfunktionen zu integrieren, die das Spielerlebnis deutlich verbessern.
Während Dragon Quest I trotz aller Verbesserungen ein relativ simples und kurzes Abenteuer bleibt, glänzt Dragon Quest II mit mehr Tiefe, interessanteren Charakteren und umfangreichen neuen Inhalten. Besonders die Unterwasserwelt und die neue spielbare Figur sind gelungene Ergänzungen, die dem Spiel frischen Wind einhauchen.
Die HD-2D-Grafik ist einmal mehr ein Highlight und zeigt, dass dieser Stil perfekt zu klassischen JRPGs passt. Die Kombination aus pixeligen Sprites und modernen 3D-Umgebungen schafft eine magische Atmosphäre, die sowohl Nostalgiker als auch Neulinge begeistern dürfte.
Die atmosphärische Grafik schafft eine magische Spielwelt
Für Fans der Serie und JRPG-Enthusiasten ist dieses Doppelpack ein Pflichtkauf. Neulinge sollten sich der historischen Natur der Spiele bewusst sein – trotz aller Modernisierungen sind es immer noch Produkte ihrer Zeit, mit entsprechend einfachen Geschichten und Spielmechaniken. Wer sich darauf einlässt, erlebt jedoch zwei charmante Abenteuer, die die Grundsteine für ein ganzes Genre gelegt haben.
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Abschließende Gedanken
Dragon Quest I & II HD-2D Remake ist ein zeitloser Klassiker, neu geboren – charmant, liebevoll und mit genau der Portion Retro-Magie, die wir uns erhofft haben.
Mit dem Dragon Quest I & II HD-2D Remake beweist Square Enix einmal mehr, dass Tradition und Innovation keine Gegensätze sein müssen. Die Remakes bewahren den Kern dessen, was die Originale so besonders machte, während sie gleichzeitig moderne Verbesserungen einführen, die das Spielerlebnis für heutige Spieler zugänglicher machen.
Besonders beeindruckend ist, wie nahtlos sich die neuen Inhalte in die bestehenden Geschichten einfügen. Die erweiterte Rolle von Rubiss, die neue Unterwasserwelt und die zusätzliche spielbare Figur fühlen sich an, als wären sie schon immer Teil dieser Welt gewesen.
Egal, ob ihr die Reihe von Beginn an verfolgt oder nach Dragon Quest III HD-2D nun den Anfang der Geschichte erleben möchtet – dieses Remake ist ein Pflichttermin für alle, die verstehen wollen, warum Dragon Quest bis heute das Fundament des JRPG-Genres bildet.
Am Ende erwartet euch die finale Konfrontation mit dem Bösen